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Build vs. Buy im KI-Zeitalter: Wenn der SaaS-Riese seinen eigenen Angriff finanziert

Salesforce Ventures führt eine 135-Millionen-Dollar-Runde in 8090 Labs an — ein Startup, das maßgeschneiderte Software als Service verspricht. Was das für Build-vs-Buy heißt, wo der eigentliche Wert liegt, und wohin sich das Risiko in Wirklichkeit verschiebt.

22. Juni 2026 3 min LESEN VON TIM KAPPEL

Der SaaS-Riese finanziert gerade seinen eigenen Angriff.

Salesforce Ventures führt eine Runde über 135 Millionen Dollar in ein Startup an, dessen Versprechen lautet: Schluss mit dem Kauf von Standardsoftware.

Ich habe mir 8090 Labs genauer angesehen. Das Modell ist klüger, als die Schlagzeile “KI schreibt Code” vermuten lässt. Unternehmen bekommen wahlweise ein Werkzeug, mit dem die eigenen Teams produktionsreife Software bauen. Oder 8090 baut die Anwendung, hostet sie und betreibt sie komplett. Maßgeschneiderte Software, geliefert wie ein Service. Gründer Chamath Palihapitiya übernimmt den CEO-Posten selbst.

Warum das zählt: Der wichtigste Grund, Standardsoftware zu kaufen, war nie die Funktion. Es war der Betrieb. Niemand wollte eigenen Code über Jahre warten. Genau dieses Argument fällt weg, wenn ein Anbieter maßgeschneiderte Software baut und selbst betreibt. Warum ein Produkt mit hundert Funktionen lizenzieren, von denen fünf genutzt werden?

Der eigentliche Wert liegt dabei nicht im Erzeugen von Code. Das wird zur Massenware. Er liegt in Audit-Trail, Kontrollen und einem Betrieb, dem man vertrauen kann. Die Frage ist nicht mehr, ob KI das bauen kann. Sondern, ob man nachvollziehen und verantworten kann, was sie gebaut hat.

Das Risiko verschwindet dabei nicht. Es verschiebt sich. Weg von der Abhängigkeit von einer Produkt-Roadmap. Hin zur Abhängigkeit von einem jungen Anbieter, der geschäftskritische Software betreibt. Die ehrliche Frage vor der Unterschrift: Was ist der Ausweg, wenn dieser Anbieter die Richtung wechselt oder verschwindet? Wer die Fable-5-Abschaltung als Warnschuss verstanden hat, kennt die Antwort schon.

Gewinnen werden nicht die, die am schnellsten bauen lassen. Sondern die, die klar trennen: Was geben wir ab, und wo behalten wir die Kontrolle?