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KI-Kennzeichnungspflicht ab 2. August: Der EU Code of Practice und die wichtigste Ausnahme

Der EU Code of Practice vom 10. Juni konkretisiert Artikel 50 des AI Act — KI-generierte Inhalte müssen ab 2. August gekennzeichnet werden. Die entscheidende Ausnahme: menschliche Prüfung plus redaktionelle Verantwortung.

11. Juni 2026 3 min LESEN VON TIM KAPPEL

Wer KI-Texte ernsthaft prüft, muss sie nicht kennzeichnen. Wer ungeprüft publiziert, schon. Seit gestern steht das schwarz auf weiß.

Die Diskussion, wie mit KI-generiertem Content umzugehen ist, begleitet mich seit Jahren. Bisher war die ehrliche Antwort auf die Frage “Müssen wir das kennzeichnen?” meistens: kommt drauf an. Damit ist Schluss. Der Code of Practice vom 10. Juni konkretisiert Artikel 50 des AI Act, dessen Pflichten ab dem 2. August gelten, in zwei Teilen:

Für Anbieter von generativen KI-Systemen:

  • Alle Outputs (Text, Bild, Audio, Video) müssen maschinenlesbar markiert und als KI-generiert erkennbar sein. Etwa über Wasserzeichen oder Metadaten.
  • Die technischen Lösungen müssen wirksam, interoperabel und robust sein, nach Stand der Technik.

Für Anwender, also jedes Unternehmen, das generative KI einsetzt:

  • Deepfakes müssen sichtbar gekennzeichnet werden: KI-Bilder, -Audio oder -Video, die echten Personen, Orten oder Ereignissen täuschend ähnlich sind.
  • KI-generierte Texte, die die Öffentlichkeit zu Themen öffentlichen Interesses informieren, müssen ebenfalls gekennzeichnet werden. Die Ausnahme: menschliche Prüfung plus redaktionelle Verantwortung.
  • Wer mit einem Chatbot interagiert, muss das erfahren.

Diese Ausnahme ist der wichtigste Hebel für die Praxis. Wer vor Veröffentlichung prüft und die redaktionelle Verantwortung übernimmt, muss nicht jeden Newsletter labeln. Die Prüfung muss dafür aber tatsächlich stattfinden und belegbar sein.

Aus eigener Erfahrung mit dem Aufbau von KI-Governance-Strukturen weiß ich: Die Kennzeichnung selbst ist schnell umgesetzt. Was meistens fehlt, ist die Landkarte, wo KI im Content-Prozess überhaupt steckt und wo wirklich jemand prüft.

Die gute Nachricht: Acht Wochen reichen dafür. Im AI-Native Framework, mit dem wir bei mesakumo arbeiten, gehört genau das in die Governance-Schicht. Einmal sauber aufgesetzt, ist die Pflicht kein Projekt mehr, sondern Routine.