"RAG ist tot" – Was Karpathy wirklich gesagt hat
Analyse des Hype um Karpathys LLM Wiki: Was wurde tatsächlich gesagt und wo endet die Realität eines Personal-Knowledge-Systems?
Was Karpathy tatsächlich schreibt
Karpathys GitHub Gist beginnt mit: “A pattern for building personal knowledge bases using LLMs.” – Das Schlüsselwort ist “personal”, nicht Unternehmenskontext.
Seine Beispiel-Wiki umfasst etwa 100 Artikel mit 400.000 Wörtern. Dazu äußert er sich so: “I thought I had to reach for fancy RAG, but the LLM has been pretty good… at this small scale.”
Die kritische Einschränkung lautet “at this small scale.” Er nutzt Obsidian als Frontend – ein persönliches Wissensmanagement-Tool, kein Ersatz für Enterprise-Lösungen.
Mempalace: Ähnliche Konstellation
Das Open-Source MCP-Server-Projekt richtet sich an “AI-heavy developers” und “Indie hackers”. Im zugehörigen Gist steht ausdrücklich: “The original is single-user, single-agent.”
Der Fokus liegt auf Einzelnutzern, nicht auf Teams oder Abteilungen.
Woher kommt der Hype wirklich?
Der Hype stammt nicht von den ursprünglichen Quellen, sondern von:
- Startups, die ihre Produkte unter neuem Branding verkaufen möchten
- Content-Creators, die wissen, dass provokative Titel mehr Aufmerksamkeit generieren
- Missinterpretationen von “LLM Wiki” als Enterprise-Lösung
Was Markdown-Wikis nicht lösen
Ein strukturiertes Obsidian-Wiki eignet sich nicht für:
- 200+ Mitarbeiter mit unterschiedlichen Zugriffsverwaltungen
- Millionen Dokumente in SAP, SharePoint und Legacy-Systemen
- Compliance-Anforderungen und Audit-Trails
- Echtzeit-Updates über Organisationsgrenzen hinweg
Die echte Frage
Statt nach Hype-Tools zu fragen, sollte man analysieren: Wie sieht mein konkreter Use Case aus? Welches Datenvolumen liegt vor? Welche Governance-Anforderungen bestehen?
Die passende Architektur kann RAG, Knowledge Graph, Hybrid-Ansätze oder ein gut strukturiertes Wiki sein.
“RAG ist tot” ist keine sachliche Analyse – es ist Marketing.