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Checkliste · Stand Juli 2026 · v1.0

EU AI Act · Artikel 4
Kompetenzpflicht-Checkliste

Für Geschäftsführer, Compliance-Officer und HR-Leiter. 20 Minuten Selbstcheck plus 90-Tage-Aktionsplan.

Warum diese Checkliste

Artikel 4 des EU AI Act gilt seit dem 2. Februar 2025 verbindlich für alle Unternehmen in der EU. Er verlangt „ausreichende KI-Kompetenz" von allen Personen, die im Namen der Organisation KI-Systeme betreiben oder nutzen. Keine Übergangsfrist. Keine Schwellenwerte. Volle Anwendung.

Diese Checkliste bringt dich in 20 Minuten von „was verlangt Artikel 4 eigentlich?" zu einem konkreten Maßnahmen-Plan.

Was Artikel 4 konkret verlangt

Wortlaut (verkürzt): Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit KI umgehen, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen.

  • Betreiber-Pflicht: Nicht nur Entwickler — jedes Unternehmen, das KI nutzt.
  • Kompetenz-Definition: Angemessen zu Kontext, Rolle und Risiko der KI-Nutzung.
  • Nachweis-Pflicht: Bei BAFA-Audit oder Marktüberwachung muss dokumentiert vorliegen.

Selbstcheck · 8 Fragen

Beantworte jede Frage mit Ja / Nein / Weiß nicht.

  1. Bestandsaufnahme — Weißt du, welche KI-Systeme aktuell in deinem Unternehmen im Einsatz sind (auch informell durch Mitarbeiter-eigene ChatGPT-Nutzung)?
  2. Rollen-Abgrenzung — Ist geklärt, wer als „Anbieter" (Modell-Entwickler) und wer als „Betreiber" (Nutzer im Auftrag) einzustufen ist?
  3. Risiko-Klassifizierung — Sind die KI-Systeme nach EU-AI-Act-Risikoklassen (verboten / hoch / begrenzt / minimal) eingeordnet?
  4. Kompetenz-Anforderungsprofil — Existiert ein Profil, welche Kompetenz welche Rolle braucht (HR mit KI-Bewerbertool vs. Marketing mit ChatGPT)?
  5. Schulungs-Nachweis — Können die Kompetenzmaßnahmen (Schulungen, Onboarding, Handreichungen) dokumentiert und nachgewiesen werden?
  6. Prozess-Verankerung — Ist Artikel-4-Compliance in Onboarding, Vertragsbedingungen und Betriebsvereinbarungen verankert?
  7. Externe Nutzer — Sind auch Freelancer, Beratungshäuser und externe Dienstleister, die für dich KI nutzen, in die Kompetenz-Pflicht eingebunden?
  8. Update-Zyklus — Gibt es einen jährlichen Review-Prozess, um Kompetenzstand und neue KI-Systeme abzugleichen?
Auswertung
  • 7–8× Ja: Artikel-4-Basis sauber. Fokus jetzt auf kontinuierlichen Update-Zyklus.
  • 4–6× Ja: Basis steht, konkrete Lücken. Priorisiere die Nein-Antworten.
  • 0–3× Ja: Kritisch. Bei BAFA-Audit heute angreifbar. Sofortmaßnahmen sinnvoll.

Was reicht als Nachweis — was nicht

Reicht (Best Practice)
  • Rollenspezifische Schulungen mit Teilnahme-Dokumentation
  • KI-Nutzungsrichtlinie im Personalhandbuch, unterschrieben
  • Regelmäßige Kompetenz-Reviews (min. jährlich)
  • Freelancer- und Dienstleisterverträge mit KI-Kompetenz-Klausel
  • Interner KI-Kompetenz-Verantwortlicher (empfehlenswert ab 200 MA)
Reicht nicht
  • Freiwillige Online-Kurse ohne Zuordnung zu Rollen
  • Einmal-Schulung ohne Update-Zyklus
  • „Wir haben das intern besprochen" ohne Doku
  • Verweis auf externen Vertrag ohne konkrete Klausel
  • Alles, was nicht schriftlich existiert

90-Tage-Aktionsplan

Tag 0–30 · Inventur
  • KI-Bestand erfassen (auch informelle Nutzung)
  • Rollen-Matrix erstellen: Wer nutzt was, mit welchem Zugriff
  • Verantwortlichkeit für Artikel 4 klären (i. d. R. IT + HR + Compliance gemeinsam)
Tag 30–60 · Grundlagen
  • Kompetenzprofile pro Rolle definieren
  • Basis-Schulung ausrollen (30–90 Min, rollenangepasst)
  • Nutzungsrichtlinie schreiben und in Personalhandbuch aufnehmen
Tag 60–90 · Verankerung
  • Onboarding-Prozess anpassen
  • Externe Verträge um KI-Kompetenz-Klausel erweitern
  • Jährlichen Review-Termin fest setzen
  • Erste Doku-Runde abschließen (BAFA-Audit-Vorbereitung)

Was du jetzt nicht tun musst

  • Keine Über-Zertifizierung: Artikel 4 verlangt „angemessen", nicht „maximal".
  • Kein spezifisches Curriculum vorgeschrieben — der Regulator akzeptiert diverse Formate.
  • Kein KI-Beauftragter Pflicht (aber empfehlenswert für Firmen ab ~200 Mitarbeitenden).

Wenn du dabei Unterstützung willst

Ich bin Tim Kappel — sechs Jahre KI-Verantwortung im MDAX-Konzern (Plattform-Rollout für 40.000+ Mitarbeiter, globale Strategie auf Board-Ebene), heute AI Practice Lead bei mesakumo und Builder unter PRYME. Genau diese Compliance-plus-Praxis-Übersetzung ist mein Tagesgeschäft.

  • Newsletter „KI Klartext": Alle zwei Wochen die wichtigsten KI-News, eingeordnet für Entscheider. Du bist automatisch dabei, da du diese Checkliste geladen hast.
  • Beratung: mesakumo.com — strukturierte AI-Act-Compliance und Kompetenzpflicht-Umsetzung.
  • Speaking: pryme.eu/speaking — Keynotes zu KI-Strategie, Governance und AI-Native.