Schatten-KI ist keine Frage der Disziplin, sondern der Reihenfolge
Wer KI-Nutzung fördert, ohne ein Werkzeug bereitzustellen, bekommt Schatten-KI. Eine feste Reihenfolge hilft: erst ein freigegebenes Werkzeug, dann eine Regel auf einer Seite, dann die Ermutigung. Bei Exportkontrolle und vertraulichen Zeichnungen braucht es zusätzlich technische Sperren.
Heute ist Halloween. In vielen Unternehmen spukt KI aber das ganze Jahr, und zwar in Werkzeugen, die nie jemand freigegeben hat. Gerufen haben diese Geister oft die, die KI-Nutzung fördern, ohne selbst ein Werkzeug bereitzustellen. Das ist keine Frage der Disziplin, sondern der Reihenfolge.
Wie Schatten-KI entsteht
In manchen Industrieunternehmen sehen wir genau das. KI geistert als Schlagwort durch die Flure, und entsprechend hoch sind die Erwartungen. Freigegeben ist dann oft erst einmal nur die kostenlose Version von Copilot Chat. Viele kennen ChatGPT aber aus dem Privaten und erwarten im Job dasselbe. Also landen berufliche Aufgaben im öffentlichen ChatGPT und ähnlichen Werkzeugen. Dahinter steckt selten böse Absicht. Meist ist es der Wunsch, schneller fertig zu werden.
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im September eine Beschäftigtenbefragung dazu veröffentlicht. Die Autorinnen fassen ihr Ergebnis so zusammen: „Wer fördert, ohne bereitzustellen, macht die Nutzung unkontrollierbar.“
Zur Einordnung: Die Befragung lief im März und April 2026 mit knapp 5.000 Beschäftigten. 29,1 Prozent der beruflichen KI-Nutzenden verwenden demnach Werkzeuge, die ihr Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. Die Studie selbst betont, dass der Befund einen Zusammenhang belegt, aber keine Wirkrichtung.
Erst das Werkzeug, dann die Regel, dann die Ermutigung
Die naheliegende Reaktion ist ein Verbot. Am Bedarf ändert das nichts, die Nutzung wird nur unauffälliger.
Meine Empfehlung ist eine feste Reihenfolge. Zuerst kommt ein freigegebenes Werkzeug, das für die häufigsten Aufgaben gut genug ist, gemessen an dem, was die Leute privat gewohnt sind. Typische Aufgaben sind das Zusammenfassen von Spezifikationen oder Entwürfe für Antworten an Kunden. Danach Regeln, die auf eine Seite passen und vor allem sagen, welche Daten hinein dürfen und welche nicht. Erst dann folgt die Ermutigung, am besten mit Beispielen aus dem eigenen Betrieb.
Wo die Reihenfolge nicht reicht
Überall reicht das nicht. Wo Konstruktionsdaten der Exportkontrolle unterliegen oder Kundenzeichnungen vertraulich sind, braucht es zusätzlich technische Sperren. Die Reihenfolge ersetzt dort keine Klassifizierung der Daten.
Was hat bei euch Schatten-KI zurückgedrängt: das Werkzeug, die Regel oder etwas ganz anderes?
Quelle: IW-Kurzbericht Nr. 63/2026, Schatten-KI: Beschäftigte sind schneller als ihre Betriebe (19. September 2026).